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Der Fürstensaal

Klicken Sie, um zu vergrößernDer Fürstensaal im nördlichen Trakt ist schon von außen durch vier Doppelfensterachsen erkennbar. Schlesiens größter und prächtigster Festsaal besitzt eine Grundfläche von 28,5 x 14,8 m, dazu eine Höhe von 13,9 m. Malerei und Plastik ergänzen sich gleichwertig zur Huldigung des Hauses Habsburg. Die plastischen Arbeiten schuf Franz Joseph Mangoldt. Sie sind auf drei Ebenen angeordnet. In der unteren Wandzone stehen erhöht die überlebensgroßen Stuckfiguren der Kaiser Leopold I. (Nordwand), Joseph I. (Südwand) und Karl VI. (Ostwand), jeweils in idealem Feldherrnkostüm mit Genien zu ihren Füßen.

Für die Aula Leopoldina der Breslauer Universität hatte der aus Brünn stammende Mangoldt bereits ab 1731 Statuen dieser Persönlichkeiten gefertigt. An den Breitseiten werden die Habsburger von Personifikationen der vier Kardinaltugenden umgeben. Der Westwand ist eine Musikempore vorgebaut, die von einer Atlasfigur getragen wird. In den Ecken stehen ein Flöten- und ein Lyraspieler. Im Figurenprogramm korrespondiert damit die Ostwand, wo Karl VI. als Bezwinger der Türken von Mars und Minerva umgeben ist. Vor den zehn Mittelpfeilern der Obergeschoßfenster befinden sich Porträtbüsten, die zwar nicht einzeln namhaft gemacht werden können, aber wohl ebenfalls habsburgische Herrscher darstellen sollen.
Zwischen den Fensterreihen sind zehn von Puttos gerahmte Gemälde Christian Philipp Bentums angebracht. Auf ihnen sind idealisierte Szenen aus dem Leben der Kaiserin Elisabeth Christine zu sehen. Eine dritte Ebene bilden die Figuren auf dem Gesims. In der Mitte sind dies die vielfigurigen Allegorien von Ruhm, Glaube, Krieg und Frieden, in den Ecken die vier Erdteile. Über der nördlichen Längswand vermittelt eine halbplastische Figur zwischen stuckiertem Gesims und Gemälde.

Klicken Sie, um zu vergrößernDie gesamte Decke überspannt ein 360 m² großes Ölgemälde, bestehend aus zehn Leinwandtafeln, deren Nahtstellen seit der letzten Restaurierung Anfang der 70er Jahre leider deutlich sichtbar sind. Gemalt hat es um 1737 Christian Philipp Bentum. Er stammte aus den Niederlanden, war über Böhmen nach Schlesien gekommen und dort bis zu seinem Tod 1750 für den Breslauer Abt von St. Vincenz, das Kloster Trebnitz und eben Leubus tätig.

Das Deckengemälde besitzt drei Zonen. In der ersten Zone ordnen sich die Gestalten des Glaubens und der Lehre um die zentrale Immaculata. Vier weltliche und drei geistliche Tugenden bevölkern die zweite Zone. Als drittes gibt es eine Randzone. Auf der nördlichen Längsseite werden zwei thronende fürstliche Frauen, auf der Südseite die Vermählungsszene eines fürstlichen Paares gezeigt. Dabei mag es sich um die Hochzeit von Karl VI. mit Elisabeth Christine von Braunschweig gehandelt haben, die konvertierte und damit dem gegenreformatorischen Impetus entsprach, galt doch die Konfessionsverschiedenheit als besonders schwere Krankheit des Staatskörpers.
Die westliche Breitseite zeigt die Gründung von Leubus, freilich anachronistisch mit einer Darstellung des barocken Bauwerks in Verbindung mit der Schlacht gegen die Mongolen bei Wahlstatt 1241. Herzog Heinrich II. von Liegnitz, der Enkel des Klostergründers, ist in der Schlacht gefallen. Mit der Regionalgeschichte korrespondiert auf der Ostseite die Weltgeschichte durch die allegorische Darstellung der Ausbreitung Habsburgs über Europa und Amerika. Die ganze Geschichte erscheint so wie die Erfüllung eines missionarischen Auftrages der rechtgläubigen christlichen Monarchen.
Das Bildprogramm des Fürstensaals ist eine Apotheose auf das Haus Habsburg, dem sich nicht nur Abt Konstantin Beyer (1733 - 1747) besonders verbunden sah, sondern das auch die Existenz des Klosters garantierte. Die gewaltige raumschöpferische Leistung ist auch Zeugnis der fruchtbaren Verbindung Schlesiens mit Böhmen und Österreich, wo es in Residenzen und Abteien häufig ähnliche Fürsten- bzw. Kaisersäle gibt.