Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
der Jahreswechsel ist wie immer ein Anlass, einen Moment innezuhalten und nachzudenken, über das was war und das was kommt.
Wirtschaft
Fünf Jahre nach der ersten Kunden- und Geschäfts-Umfrage stellte die Industrie- und Handelskammer die Einkaufsstadt ein zweites Mal auf den Prüfstand. Die guten Ergebnisse von 2007 wurden bestätigt und konnte sich auf hohem Niveau behaupten. Vermisst wurde allerdings ein Elektromarkt : Diese seit Jahren bestehende Lücke wird nun auch endlich geschlossen werden – wenn im März nächsten Jahres der Umbau des alten P&C Gebäudes abgeschlossen sein wird und der Elektronikmarkt Saturn seine Tore öffnet. Gemeinsam mit den in diesem Gebäude ebenfalls untergebrachten Einzelhandelsketten Kaiser´s und Modemarkt Adler dürften attraktive Angebote den Bereich am Warringtonplatz spürbar beleben.
Bereits zu Beginn des Jahres eröffnete das neue Parkhaus an der Straße Am Kronengarten. Die in dem Komplex eingezogenen Einzelhändler Aldi, Denn´s und Tedi haben bereits merklich zu einer Belebung dieses Innenstadtbereiches geführt. Der beabsichtigte Verkauf des Jueck-Geländes an der Ecke Heiligenstraße bietet die Chance ein Bauvorhaben zu realisieren, in dem weitere Geschäftslokale die Lücke zwischen Kronengarten und Warringtonplatz schließen und somit auch den gesamten Bereich massiv aufwerten.
Kinder und Jugend
Erneut wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt und Investitionen auf den Weg gebracht, um Hilden für die künftigen Aufgaben und Herausforderungen im Kinder- und Jugendbereich gut zu positionieren:
Ab 2013 sollen die Kommunen in Nordrhein-Westfalen 35 Prozent aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz anbieten. Dies ist die Zielvorgabe der Landesregierung.
Und wie ist die Lage in Hilden? Im laufenden Kindergartenjahr stehen für Kinder unter drei Jahren 387 Plätze zur Verfügung, darunter 115 in der Tagespflege. Das entspricht einer Versorgungsquote von 37,68 Prozent. Damit hat die Stadt Hilden bereits heute die Zielvorgabe der Landesregierung für 2013 übererfüllt.
An allen Hildener Schulen nehmen die Schülerzahlen mehr oder weniger stark ab. Demnach gehen derzeit 195 Schüler weniger auf eine allgemein bildende Schule als noch vor einem Jahr, insgesamt sind es jetzt 5828 (zuvor: 6023).
Von Schließung ist dennoch keine Schule aktuell bedroht. Die Stadt als Schulträger hat auf die fehlende Eingangsklasse der Hauptschule reagiert und eine Sekundarschule in den Gebäuden der Wilhelm-Fabry-Realschule auf den Weg gebracht. Die Realschule und die Hauptschule laufen dafür aus. Vier Bauabschnitte sind in den nächsten vier Jahren geplant, um die Gebäude der Fabry-Schule an die Anforderungen einer Sekundarschule anzupassen. Natürlich barrierefrei!
Auch das städtische Helmholtz-Gymnasium wird umgebaut. Der Schulausschuss hat einstimmig beschlossen, den maroden Pavillon am Holterhöfchen abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Außerdem wird die Mensa durch die Umgestaltung der bisherigen Musikräume erweitert. Der Umbau soll in den Jahren 2013 und 2014 erfolgen.
Der Sportplatz Schützenstraße hat endlich auch seinen Kunstrasen erhalten. Zwischen 2001 und 2008 investierte die Stadt Hilden fast sechs Millionen Euro in die Modernisierung ihrer Sportanlagen. Alle Plätze erhielten Kunstrasen. Die Modernisierung löste einen Ansturm von Kindern und Jugendlichen auf die Fußballvereine aus. Binnen sieben Jahren hatte sich die Zahl der jungen Vereinskicker auf 1100 nahezu verdoppelt.
Weil die Brandanlage erneuert werden musste, mussten nicht nur Leseratten und Bücherwürmer 3 Monate ohne die Stadtbücherei auskommen – die Baumaßnahme wurde genutzt um konzeptionelle Änderungen durchzuführen und das Mobiliar teilweise zu erneuern.
All diese Investitionen sind wichtig um Hilden auch in Zukunft für Familien und Geschäftsleute attraktiv zu erhalten. Nicht zuletzt dank solcher Investitionen in der Vergangenheit hat Hilden auch in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,9 %, eine Kaufkraft von 114 % und einen strukturell ausgeglichenen Haushalt aufzuweisen. Es sind solche Zahlen, die uns laut Steuerzahlerbund zu den 136 "Vorzeigegemeinden" in NRW machen, die trotz aller Investitionen ohne kurzfristige "Dispos" wirtschaften.
Senioren
Vor zehn Jahren ermunterte die Stadt Ältere, ihr Leben in freien Gruppen selbst zu organisieren. Ergebnis: ein neues Mit- und Füreinander, das Hilden zum leuchtenden Vorbild im Land macht. Nach einer aktuellen Untersuchung der Universität Köln sehen drei Viertel der Senioren deutliche Verbesserungen bei den Beratungsangeboten für Ältere, zwei Drittel bei den Freizeitangeboten, die Hälfte bei der Versorgung bei gesundheitlichen Einschränkungen und in der Beachtung ihrer Anliegen. Zu den Netzwerkgruppen fand die Studie heraus: Die Netzwerker helfen sich nicht nur gegenseitig, sondern auch den Menschen in ihrer Umgebung. Sie sind überdurchschnittlich zusätzlich ehrenamtlich aktiv und so gut über die Hilfs- und Beratungsangebote in der Stadt informiert, dass sie "Lotsen" für schlechter informierte Menschen werden. Und: Die Netzwerker motivieren andere, aktiv zu werden.
Der Generali Zukunftsfonds, der gerade eine große Altersstudie veröffentlicht hat, lobte die Netzwerkgruppen in Hilden als "Leuchtturmprojekt", das wohl einmalig in Deutschland sei: "Unsere Studie zeigt, dass Senioren möglichst lange in ihren Wohnungen bleiben wollen. Dazu braucht man Strukturen, die das auch ermöglichen." Die Seniorenarbeit in Hilden sei dafür ein "Musterbeispiel". "
Soziales
Leider wächst mit der zunehmenden Anzahl älterer Menschen auch die Zahl derer, die von Demenz betroffen werden.
In Hilden sind es derzeit rund 880 Menschen. Grund genug, neben den Pflegeheimen auch alternative Lebens- und Wohnmodelle für demente Menschen bereit zu halten. Die Wohngemeinschaft als selbständige Wohnform mit ambulanter Betreuung ist solch eine Alternative. Mit der ersten ambulant betreuten Demenz-WG in Hilden will das Diakonische Werk für Senioren mit Demenz einen Lebens- und Wohnraum schaffen, in dem sie sicher leben und fürsorglich betreut werden, wo sie in einer überschaubaren Gemeinschaft sind und wo man individuell auf sie eingeht. "Frieda" heißt die WG – nach der Friedenskirche nebenan. Es ist die erste Einrichtung dieser Art in Hilden, aber sicherlich nicht die letzte…
Die Graf-Recke Stiftung will sich den Demenz-Schwerkranken widmen und plant im Hildener Westen ein Vorzeige-Konzept zur Betreuung dieser Menschen umzusetzen.
Wohnungsbau
Dass der eingeschlagene Weg der richtige ist zeigt auch die rege Bautätigkeit sowohl von privaten Investoren als auch der öffentliche Hand und der Vereine. So entstehen derzeit zahlreiche neue Wohnungen - zum Teil mit Geschäftslokalen kombiniert - im unmittelbaren Innenstadtbereich. Im Hildener Süden hat der Hildener Bauverein zwar keinen sozialen, aber dennoch günstigen und energie-effizienten Wohnungsbau in Angriff genommen.
Am Rathaus sind in zwei Jahren 49 barrierefreie Eigentumswohnungen entstanden. Die Caritas hat einen Service-Stützpunkt in der Itter-Residenz eingerichtet um den älteren Menschen zu ermöglichen– so lange es geht – in den eigenen vier Wänden leben. Denn einen ambulanten Pflegedienst mitzufinanzieren, ist allemal günstiger, als eine Heimunterbringung zu bezahlen.
Energiewende
Die Energiewende ist natürlich auch in Hilden ein wichtiges Thema – die Auswirkungen bekommen alle Bürgerinnen und Bürger unmittelbar zu spüren, ob sie nun ihren Strom von den Stadtwerken Hilden beziehen oder woanders her. Umso dringender ist es die energiepolitischen Ziele anzunehmen und mit den Ressourcen schonender umzugehen. Der öffentlichen Hand kommt dabei selbstverständlich eine Vorreiter und Vorbildrolle zu. Es ist daher selbstverständlich, dass Sanierungs- und Umbaumaßnahmen in Schulen und anderen städtischen Gebäuden entsprechend den jeweils aktuellen energetischen Standards erfolgen. Aber auch Unternehmen und Vereine sind wie jeder Bürger gefragt, den Energieverbrauch zu überdenken und unter anderem auf erneuerbare Energien umzustellen. Dies sind Ziele eines neuen Konzeptes, das die Stadt zurzeit entwickelt. Hierzu zählt auch das Engagement der Stadtwerke Hilden, die zusammen mit den Stadtwerken in Monheim und Düsseldorf in Brandenburg drei Windkraftanlagen mit bauen lassen
CO-Pipeline
Mehr als fünf Jahre sind mittlerweile vergangen, seit die Bezirksregierung Düsseldorf im Februar 2007 den Planfeststellungsbeschluss für die Errichtung und den Betrieb der CO-Pipeline erlassen hat. Seither führen Bürgerinitiativen und private Kläger mit Unterstützung des Kreises und der betroffenen Kommunen einen aufreibenden, aber bislang auch durchaus erfolgreichen Kampf gegen das Vorhaben der Bayer Material Science AG (BMS). Vertreter der Bürgerinitiativen gegen die Giftgasleitung von Bayer haben Regierungspräsidentin Anne Lütkes 21.629 Einwendungen für das Planänderungsverfahren übergeben. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung in diesem sowie in den anderen zahlreichen Klageverfahren wird es allerdings voraussichtlich noch ein langer Weg sein.
Sicherheit
Nachdenklich stimmte eine Umfrage der IHK wonach sowohl Kunden als auch die Einzelhändler in Hilden die Sicherheit in der Innenstadt nur mit einem "befriedigend“ bewerteten. Ordnungsamt und Polizei sagen, dafür gebe es keine Fakten. Es scheint also eher ein subjektives Empfinden zu sein. Dennoch haben Ordnungsamt und Polizei reagiert und führen nun vermehrt Kontrollen in der Hildener Innenstadt durch. In diesem Zusammenhang erscheint auch der Entschluss der Grundstücksgesellschaft der Stadtwerke noch wichtiger, durch den Umbau des Gebäudes an der Kirchhofstraße den Standort der Polizeiwache in Hilden zu sichern.
Die Tragödie, die sich im November in einem Hildener Industrieunternehmen abspielte, hat hiermit sicherlich nichts zu tun. Ein Mensch schießt gezielt auf Mitarbeiter und Kollegen und tötet sich anschließend selbst. Die Hintergründe sind nach wie vor noch unklar. Glücklicherweise überleben die Opfer und sind auf dem Wege der Besserung – das Trauma aber wird bleiben. Eine solche Tragödie in der eigenen Stadt macht uns betroffen und führt uns schmerzlich vor Augen, dass kein Ort der Welt vor so etwas schützt. Den Mitarbeitern und ihren Familien wünsche ich an dieser Stelle noch einmal gute Genesung.
Logo
Im Vergleich dazu ist die zwischenzeitliche Aufregung um das neue Corporate Design der Stadt Hilden eigentlich völlig unbedeutsam, sollte aber trotzdem in einem Jahresrückblick nicht unerwähnt bleiben. Die Vorstellung dieses neuen Logos bewegte die Gemüter vieler Bügerinnen und Bürger und natürlich auch der Politik. Viele vermuteten, dass das gestaltete Logo an die Stelle des Stadtwappens treten soll. Ich nutze daher gerne die Gelegenheit noch einmal klarzustellen, dass dem nicht so ist. Das Stadtwappen bleibt natürlich in seiner bisherigen Funktion bestehen. Das Logo dient vielmehr dazu, die offizielle Post der Stadt zu kennzeichnen, das Erscheinungsbild Hildens zu vereinheitlichen und zu modernisieren. Vielleicht entspricht es in seiner endgültigen Gestaltung nicht jedermanns Geschmack, aber zumindest kann ich versichern, dass es weder vom Staat Dänemark noch von einer kroatischen oder anderen Gemeinde verwendet wird.
Damit einher geht übrigens auch ein völlig neu gestalteter Internetauftritt, der zu Beginn des neuen Jahres ins Netz gehen wird.
Die Studie der Uni Köln fand übrigens auch heraus: 90 Prozent der Befragten fühlen sich in ihren Quartieren sehr wohl, die Nachbarschaft ist gut und die Menschen seien in den vergangenen zehn Jahren freundlicher geworden. Dass der Hildener „an sich“ ein freundliches, engagiertes und hilfsbereites Wesen, davon konnte sich die Region im Sommer diesen Jahres auch bei der Stadtaufgabe von „WDR2 für eine Stadt“ ein anschauliches Bild machen: Obwohl mitten in der Woche bauten hunderte Bürgerinnen und Bürger wie auch Geschäftsleute spontan mit vereinten Kräften eine 800 Meter lange Theke in der Innenstadt auf. Dass es letztlich nicht zum Sieg gereicht hat war schade, lag aber nicht an ihnen. Es hat dennoch viel Spaß bereitet.
Dies sind Aussagen und Erkenntnisse, die mich zuversichtlich weiter nach vorne schauen lassen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein gesundes und zufriedenstellendes Jahr 2013
Ihr
Horst Thiele