Mondmilch - Lyrik von Gertrud Kolmar
Ein Raum in Wort und Klang, gesprochen von Katharina Gun Oehlert, musikalisch realisiert von Karola Pasquay am 08. 11. 2011, 19.30 Uhr, Fassraum Wilhelm-Fabry-Museum, Benrather Straße 32a, Hilden.
Vielleicht vergaß mich meine Seele im Traum, sank gen Morgen gebreitet, und ihres Wandelfluges harrte der weiße Turm: durch seine heißen, verwunschenen Gemächer irrte sie, ihre Ahnen suchend, und rührte schwebend Saiten an, die noch tönen (aus dem Gedichtzyklus WELTEN)
Gertud Kolmar, hineingeboren in eine bürgerliche Familie der wilhelminischen Epoche, setzte schon in ihren frühen Gedichten das Erkennen um die furchtbare politische Situation, in die Deutschland hineingeraten sollte, in Wort um. Unter Kennern gilt sie als eine der größten deutschjüdischen Schriftstellerinnen und wird in einem Atemzug mit Nelly Sachs und Hilde Domin genannt.
Die einzigartige, beinahe übermenschliche Leistung Gertrud Kolmars ist, noch im Augenblick der tödlichen Gefahr, der aussichtslosesten Lebenssituation den Ausbruch, den Übergriff zu riskieren, in sich ein Freiheitsfieber zu entfachen, das uns noch heute und zu unserem Glück - infizieren kann." (Gerlind Reinshagen)
Gertrud Kolmar wurde am 10. Dezember 1894 in Berlin geboren und starb vermutlich Anfang März 1943 in Auschwitz. Sie war die Tochter des jüdischen Rechtsanwaltes Ludwig Chodziesner und seiner Frau Elise und wuchs in Berlin auf.
1917 erschien ihr erster Gedichtband. Ab Ende der 1920er Jahre erfolgte der Abdruck einzelner Gedichte in literarischen Zeitschriften und Anthologien. 1934 wurde ihr zweiter Gedichtband Preußische Wappen publiziert.
Ihr dritter Gedichtband Die Frau und die Tiere, der im August 1938 in einem jüdischen Verlag erschien, wurde nach der Reichspogromnacht vom 9. November im selben Jahr eingestampft.
Ab Juli 1941 musste Gertrud Kolmar Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten. Nur nachts noch blieb Zeit, zu schreiben. Ihr Vater, um den sie sich liebevoll gekümmert hatte, und wegen dem sie nicht , wie es viele ihrer Freude dringend angeraten hatten, Deutschland wegen des politischen Klimas zu verlassen suchte, wurde im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Gertrud Kolmar wurde am 27. Februar 1943 im Verlauf der Fabrikaktion verhaftet und am 2. März 1943 im 32. ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Von den etwa 1500 Berliner Juden, die in diesem Zug am 3. März 1943 in Auschwitz ankamen, wurden nach der Selektion an der 'Alten Rampe' 535 Männer und 145 Frauen für nicht mehr arbeitsfähig befunden und noch am gleichen Tage in den Gaskammern umgebracht.
Katharina Gun Oehlert (Lesung) und Karola Pasquay (Klangkonzept und Improvisation) arbeiten seit vielen Jahren eng zusammen und entwickelten zahlreiche Lesungen, die stets von einen besonderen Atmosphäre geprägt sind. Das Erinnern an die Reichspogromnacht mit Lesungen zu jüdischen Dichterinnen und Dichtern ist für sie seit langem ein zentrales Anliegen.
Eintrittskarten zum Preis von 12 sind nur an der Abendkasse erhältlich.