Porträt des Abtes Arnold Freiberger, Ölgemälde von Michael Willmann, 59 x
Der Porträtierte
Arnold Freiberger (1589 - 1672) war 41. Abt des Zisterzienserklosters Leubus. Er stammte aus Spandau bei Berlin und konvertierte zum katholischen Glauben. Während des 30jährigen Krieges, 1636, wurde er zum Abt der ältesten schlesischen Zisterzienserabtei gewählt. Als die Schweden das Kloster zwei Jahre später besetzten floh Freiberger mit dem ganzen Konvent nach Breslau. Zehn Jahre verblieben sie dort im Leubuser Haus. Dann leitete der Abt ab 1649 den Wiederaufbau der "ganz wüst und öde, wie auch höchst bawefällig befunden(en)" Abtei ein. Durch die Chronik des 1649 bis 1682 tätigen Leubuser Amtmannes, Dr. Martin Dittmann, wissen wir solche Einzelheiten und haben die Bewertung überliefert, "daß also daß Gestifft sich der Zeit in solchem flore undt Zustande befindet, alß sichs niemahln befunden hatt" und darum "den namen und ruhm, wo nicht eines Stieffters, zum Mindesten eines Ernewers und Erhalters erworben."
Arnold Freiberger gilt somit als einer der bedeutendsten Leubuser Äbte. Sein Aufstieg aus bürgerlichen Verhältnissen zum geistlichen Fürsten ist beachtlich. Die Karriere erforderte soziale Durchlässigkeit. In der absolutistischen Ständegesellschaft bot solche Chancen nur der kirchliche Dienst. Die Zisterzienser von Leubus und ihre Äbte waren im allgemeinen Schlesier. Nur zu 1 Prozent waren sie adliger Herkunft. Somit kann man von einer überaus erfolgreichen bürgerlichen Emanzipation sprechen.
Der Maler
Michael Willmann stammt aus Königsberg/Pr., wo er 1630 als Sohn eines Malers geboren wurde. Seine Lehrzeit verbrachte er in den Niederlanden. Dann ging er nach Prag, doch die desolate Lage am Ende des Dreißigjährigen Krieges bot Künstlern weder dort noch später in Berlin ein dauerndes Auskommen. Willmann hatte in Breslau, einer vom Krieg vergleichsweise wenig betroffenen Stadt, schon um 1650 Abt Freiberger kennengelernt. Der begann damals gerade mit großer Tatkraft den Wiederaufbau seines Klosters.
Dazu konnte er 1660 Willmann gewinnen, der konvertierte und 1666 endgültig in Leubus seine neue Heimat fand. Paul Steinert schrieb 1924 in den "Heimatblättern des Kreises Wohlau": "Willmanns Verhältnis zum Abt Freiberger war intim. Er wurde täglich zu seiner Tafel gezogen ... [und] bei schlechtem Wetter ... mit des Abtes Chaise abgeholt. Wurde der Abt zum Taufpaten irgendwo gebeten, so ließ er sich oft von Willmann vertreten".
Als Klostermaler war Michael Willmann bis zu seinem Tod 1706 vornehmlich für die Abtei Leubus tätig. Im Sinne der Gegenreformation hat er religiöse Figurenbilder von großer Ausdrucksstärke geschaffen. 1812 soll es dort noch über 100 Gemälde von ihm gegeben haben. Bis zum Zweiten Weltkrieg hingen 47 seiner Bilder in der gotischen Stiftskirche, darunter ein beachtliches Hochaltarblatt und als "des Meisters Monumentalwerk" 12 Apostelmartyrien an den Langhauswänden.
Das Gemälde
Im Brustbild von Abt Arnold Freiberger dominiert das scharf konturierte Gesicht. Willmann hat es in charakteristischer Hell-Dunkel-Malerei stark beleuchtet. Deutlich heben sich die Gesichtszüge vom Schwarz des Ordenshabits und vom dunklen Hintergrund ab. Der 83-jährige Abt ist zwar schon von Krankheit gezeichnet, jedoch zeugt das ernste und energische Antlitz noch von der Tatkraft des Prälaten.
Der Kunsthistoriker Hubertus Lossow hat "in Haltung und Ausdruck eine gewisse Starre" ausgemacht und diese Schwäche mit einer mutmaßlichen posthumen Anfertigung für die Galerie der Äbte zu erklären versucht. Wie in anderen Klöstern, so gab es auch in Leubus eine ganze Reihe von Abtporträts. Sie hingen bis zur Säkularisation 1810 wohl im Chorumgang der Stiftskirche, doch nur dieses eine Bild Willmanns ist erhalten.