anlässlich des neuen Schulnamens am 28.6.2002
Unsere Kath. Grundschule bekommt heute einen Namen! Aber - war sie denn bisher namenlos? Vielleicht hilft da ein Vergleich weiter! Den Familiennamen oder Zunamen hat jeder von uns gewisser-maßen automatisch von den Eltern ererbt. Der Vorname ist uns nicht so selbstverständlich zugefallen. Er ist eigens für jeden von uns gesucht und ausgewählt worden. Der Vorname gehört sehr viel enger zu mir, ist näher an mir dran, so dass ein bayrischer Junge einmal zu Recht sagen konnte:
Moser schreib i mi, der Hans bin i!
Das klingt fast so wie Moser heiß ich nur, aber in Wirklichkeit bin ich der Hans. Der Vorname verleiht die eigentliche Identität.
Moser schreib i mi, der Hans bin i!
Das klingt fast so wie Moser heiß ich nur, aber in Wirklichkeit bin ich der Hans. Der Vorname verleiht die eigentliche Identität.
Noch deutlicher spürt man die besondere Bedeutung des Vornamen, wenn Erwachsene einander das DU anbieten. Dann geben sie ihren Vornamen sozusagen zur Benutzung frei, gewähren dem oder der Anderen größere Nähe zu sich selbst und verschenken damit ein Stück größerer Vertraulichkeit und Intimität.
Da spürt man deutlich, dass unsere Namen mehr sind, als eine technische Vorkehrung zur Vermeidung von Verwechslungen. Der Name gehört zu uns wie eine Haut, in der wir leben. Wir erkennen uns in unserem Namen und andere erkennen uns in ihm.
Da spürt man deutlich, dass unsere Namen mehr sind, als eine technische Vorkehrung zur Vermeidung von Verwechslungen. Der Name gehört zu uns wie eine Haut, in der wir leben. Wir erkennen uns in unserem Namen und andere erkennen uns in ihm.
Nein unsere Schule war bisher nicht namenlos gewesen. Heute soll sie ihren Vornamen bekommen. Dieser Vorname zeichnet sie aus, hebt sie heraus und macht ihre Besonderheit bewusst.
Astrid Lindgren dieser Name ist mit einer großen Liebe zu Kindern verbunden. Kinder waren der ganze Inhalt ihres reichen und langen Lebens. Und damit steht Astrid Lindgren in der Tradition von Jesus Christus. Wenn Jesus in der Szene von der Kindersegnung ein Kind in die Mitte stellt und es in seine Arme nimmt, dann spricht er dabei dem Kind eine eigene, ja einzigartige Würde zu, die so weit geht, dass Erwachsene am Kind Maß nehmen müssen, wenn sie in das Gottesreich Eingang finden wollen. Das Kind wird so zum Symbol für die Nähe Gottes, der sich selbst klein gemacht hat, um uns nahe zu sein.
Um zu verstehen, welche Bedeutung es hatte, dass sich Jesus gerade den Kindern zuwandte, muss man bedenken, welche gesellschaftliche und religiöse Stellung Kinder zur Zeit Jesu hatten. Sie gehörten zu einer recht losen Randgruppe. Kinder wurden als unfertige Menschen, als Mängelwesen angesehen. Es kam nur darauf an, endlich erwachsen zu werden, damit man rechts- und religions-mündig wurde.
Sowohl zur Zeit Jesu als auch heute manchmal, wurden und werden Kinder aus dem gesellschaftlichen und teilweise auch aus dem religiösen Leben ausgegrenzt. Jesus hat diese Ausgrenzung überwunden, indem er sich den Kindern ausdrücklich zugewandt hat. Er hat sie beachtet, beobachtet und aus ihrem Verhalten Schlüsse gezogen. Dass er Kinder zum Vorbild des Glaubens machte, lag nicht an ihrem Liebreiz oder ihrer Unschuld. Kinder hatten und haben für Jesus eine eigene personale Würde.
Das gesamte literarische Schaffen für Kinder von Astrid Lindgren ist so glaube ich auf diesem Hinter-grund zu sehen. Diese engagierte evgl. luth. Christin mit ihrer großen Liebe und ihrem verständnisvollen Herzen für Kinder, ist eine echte Interpretin der Anliegen Jesu für Heute und für diese Schule, die in der Wahl des Namens Astrid-Lindgren-Schule ihrem Auftrag ein konkretes Programm gegeben hat.
Übrigens: im Zeitalter der Ökumene auch ein ökumenisches Signal, wenn eine kath. Schule mit dem Namen einer engagiert evangelischen Christin ihr Programm erklärt.
Wenn wir nun das frisch und neu angebrachte Namensschild segnen,dann segnen wir eigentlich die Kinder, deren Eltern, die Lehrerinnen und Lehrer, die große Schulgemeinschaft, die in diesem Gebäude lernt, lehrt, Feud und Leid, Erfolg und Mißerfolg miteinander teilt.
Bei Jesaja, in der Bibel des Alten Bundes, steht das bekannte Wort:
Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Mein bist du! spricht der Herr.
Für Juden und Christen und Muslime spricht daraus nicht die Drohung eines übermächtigen Aufpassers und strafenden Richters, sondern die Zusage, dass jeder einmalig und unverwechselbar wichtig ist in den Augen Gottes. Wir hören daraus die Zusage, dass jeder Einzelne sich aufgehoben fühlen darf in Gottes Liebe.
Hilden, 28.06.2002
Klaus Theis Pfarrer St. Konrad -