St. Martin Ursprünge und Bedeutungen
In einer Düsseldorfer Gasthaus-Rechnung von 1431 wird belegt, dass am Martinstag schon ausgiebig gefeiert wurde. Zünfte und Bruderschaften feierten mit Vorliebe an diesem Tage. Im 16. Jahrhundert könnten schon Kinder mit Lichtern vors Rathaus gezogen sein und gesungen haben, denn für Neuss war dies belegt und man nahm dies auch für Düsseldorf stark an.
Als „Fest der Jugend“ wurde der „Martins-Abend“ im 18. Jahrhundert bezeichnet. 1781 wurde von der Regierung untersagt, dass die „auf den Straßen herumlaufende Stadtjugend“ mit Fackeln auf Kellertüren schlug oder andere „Ausschweifungen“ tätigte. Vielmehr wurde empfohlen, statt Fackeln kleine Handlaternen zu tragen.
Im Allgemeinen führt man das Martinsfest auf den heiligen St. Martin zurück, der im Jahre 316 bei Sabaria (heute Ungarn) geboren wurde. Martin bedeutet: dem römischen Kriegsgott geweiht. Sein Vater war ein heidnisch-römischer Offizier. Mit 15 Jahren trat er in den Soldatendienst ein, deshalb auch die römische Uniformierung des Reiters bei den Martinsumzügen. Hier entstammt auch die Legende um die Mantelteilung, als er bei Amiens (Gallien, Frankreich) einem frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels schenkte. In der Nacht soll ihm Christus dann mit dem Mantelstück erschienen sein. Mit 18 ließ sich Martin taufen und Militärdienst und Christsein schlossen sich für ihn aus, er trat aus dem Militärdienst aus und kehrte in seine Heimatgegend zurück. Dort wurde er nach Glaubensstreitigkeiten wieder ausgewiesen und auf seinem Weg zu einer Insel im Golf von Genua, wo er ein Einsiedlerleben führte, hatte er mancherlei Wunder, Abenteuer und Begegnungen hinter sich gebracht. Bischof Hilarius rief ihn 360 nach Poitiers (Frankreich), wo er wenig später in Ligugé eine Einsiedelei errichtete, aus der das erste Kloster Galliens entstand. Auf Drängen des Volkes, mit Bedenken des Klerus und trotz eigenem Unwillen wurde Martin 371 zum Bischof von Tours erhoben.
Aus Strafe in der Pfanne bruzeln
Eine Legende besagt, dass er sich in einem Stall versteckte, weil er nicht Bischof werden wollte, aber Gänse hätten ihn durch ihr Schnattern verraten, so müssen sie jedes Mal, wenn das Martinsfest naht, für diesen Verrat in der Pfanne bruzeln. Das Volk liebte den treusorgenden und gerechten Bischof, der trotz hohen Amtes auf Privilegien verzichtete und lieber in armseligen Behausungen vor der Stadt lebte. Seine Schuhe soll er selbst geputzt haben und statt auf bischöflichem Gestühl hat er sich lieber auf Bauernschemel gesetzt. Menschen soll er vom Tode zum Leben erweckt haben, so z.B. ein Kind von Heiden auf einem Felde. Feuer, Wind und Wasser sollen auf seine Worte und Gesten geachtet haben und Pflanzen ihm gehorsam gewesen sein. In den „Sieben Wunderbüchern“ von Georgius Florentius ist es wiederum Martin, der als Bischof einem Bettler die Mantelhälfte reicht, der aber war Gott selbst. Es gibt noch einige Geschichten, Erzählungen oder Wunder um Martin von Tours, die hier aber zu weit führen würden. Am 8. November starb er auf einer Missionsreise und wurde am 11.11.397 beigesetzt.
Der „Martinskult“, also das treusorgende, gerechte, das bescheidene und hilfsbereite Wesen Martins – kurz die christliche Nächstenliebe -- verbreitete sich mit größer werdendem Franken-Reich auch nach Osten und Nordosten. Im Rheinland gab es schon früh Martinsumzüge. In mehreren Ursprungsforschungen wurden unser heutiges Martinsfest nicht auf diesen mildtätigen St. Martin zurückgeführt. Die starke Verbreitung des Festes in deutschen Landen lässt manchen auf germanischen Ursprung schließen. Heidnisch-germanische Mythologie, ein Erntedankfest, das von der Kirche mit dem Martinstag zusammengelegt wurde, soll hier zugrunde liegen.
Martini
Am Martinstag begann auch das neue Wirtschaftsjahr des Bauern, das Gesinde erhielt seine Löhne, Steuern wurden abgeführt und die Pachtverträge wurden geschlossen. Knechte und Mägde konnten die Dienstherren wechseln. An „Martini“ soll auch das Vieh geschlachtet worden sein, dass nicht den ganzen Winter über gefüttert werden konnte, auch Gänse gehörten dazu. So ergab sich noch die Gelegenheit vor dem Fasten im Advent zu einem leckeren Gänsebraten, heute wohl noch das Martinsgans-Essen, das ja über lange Zeit bis in den Advent hinein angeboten wird.
Die heidnisch-germanischen Kultfeste wurden mit Vorliebe in der Dunkelheit gefeiert. Das Martinsfest mit all den Lichtern wird ja auch am Vorabend des eigentlichen Gedenktages gefeiert. Freudenfeuer und Opfergaben (z.B. Gänse) spielten eine bedeutsame Rolle bei diesen Festen. Auch am Ende des Wirtschaftsjahres, wo alte Feuer erloschen und symbolisch die neuen als Freudenfeuer angezündet wurden. So gibt es auch heute noch Martinsfeuer und am Abend vorher werden eben Lichter, Fackeln oder Martinslaternen bei den Umzügen mitgeführt. (Diverse Abbildungen, Gemälde mit St. Martin, Postkarten Motive)
Martin zu Pferde wird mit Wotan, der in bestimmten Nächten auf seinem Schimmel daherritt, verglichen. Und die gebackenen Martinshörnchen sollen an die Form des Hufeisens vom Wotan-Pferd erinnern. Die Lichter des Martinsfestes, also die Laternen der heutigen Kinder bei den Umzügen, bestanden damals aus Kürbissen mit Schnitzereien oder auch Runkelrüben, die von innen mit einer Kerze versehen waren. An Stöcken wurden auch kleine laternenartige Lampen getragen.
Geordnete Züge, z.B. durch die Stadt Düsseldorf
Damit die immer mehr vereinzelt auftretenden Kinder-Grüppchen etwas geordneter durch die Straßen liefen, um mit Gesängen Martinsgaben geschenkt zu bekommen, hat man in den 1880er Jahren begonnen die Kinder in Zügen zu sammeln. Auch oben schon angedeutete Ausschreitungen sollte Einhalt geboten werden. Die übermütigen Jugendlichen verprügelten sich schon manches Mal beim gegenseitigen Stehlen des Holzes für die Martinsfeuer oder machten Radau in den Strassen. Bis 1886 gab es noch keine offiziellen Martinszüge. Man sammelte sich z.B. auf der Lindenallee (der heutigen Heinrich-Heine-Allee) bei Anbruch der Dunkelheit und sang dann beim Ausschwärmen in die Straßen alte Martinslieder. Militärmusiker spielten die Melodien dazu auf den Treppen des Stadttheaters (heute Opernhaus) des Kaiser- und des Moltke-Denkmals. Aber November 1886 soll dann der erste Martinszug mit einer „maskierten Person zu Pferde“ in Düsseldorf gestartet sein.
In Düssseldorf soll der erste Umzug dieser Art überhaupt in deutschen Landen gestartet worden sein.
Wenn die Kinder mit den Lampen unterwegs waren, dann backten Mütter in Düsseldorf zum Martinstag besondere Pufferkuchen aus Buchweizenmehl, Milch und Hefe. Dazu viele Rosinen und Rüben- oder Apfelkraut. Es duftete dann so herrlich am Martinstag in allen Wohnungen danach. Neben den Martinsgeschenken, wenn die Kinder vor den Läden sangen gab es auch, so entnommen schriftlicher Erinnerungen, eine Art „Bescherung“ durch „Zint Mätes“ im Bischofskostüm. Er erkundigte sich, ob die Kinder brav gewesen sind, entleerte dann den Sack und heraus fielen Äpfel, Nüsse oder Kastanien. St. Martin bekam dann zum Dank noch die Hände der Kinder gereicht, was ähnlich wie bei Nikolaus sicher auch vielfach zu Tränen führte.
Vom Heischen und Gripschen
In selbstständigen Dörfern, die heute Düsseldorfer Stadtteile sind, zogen Kindergrüppchen mit selbstgefertigten Leuchten von Haus zu Haus und sangen so lange, bis ihnen die Bauern durch einen Spalt Früchte und Nüsse, manchmal auch etwas Gebäck, zuwarfen. Das Heische-Brauchtum, also wir kennen das heute als „Gripschen“, ist am Rhein schon Mitte des 16. Jahrhunderts praktiziert worden. Dabei hat es sich anfangs auch um Scholaren (Schüler) gehandelt, die sich ihren Lebensunterhalt „verdienen“ mussten und die am Martinstag sich Äpfel, Nüsse und andere Dinge erhofften. Vielleicht könnten es aber auch jene sein, die mit dem Martinsfest, was ja auch oft die Beendigung von Arbeitsanstellungen war, sich eine Art Arbeitslosenunterstützung beim Heischegesang holten. Der Winter stand vor der Tür; wer wusste schon, wann die nächste Anstellung kommt.
Liedertext beim Gripschen:
Hier wohnt ein reicher Mann,
der uns etwas geben kann,
vieles soll er geben,
lange soll er leben,
Glückselig soll er sterben,
das Himmelreich erwerben.
Laß uns nicht so lange stehn,
denn wir müssen noch weitergehn.
Einige Lieder zum Mitsingen bei den Umzügen:
Sankt Martin
Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind
sein Roß, das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut,
sein Mantel deckt ihn warm und gut.
Im Schnee saß, im Schnee saß,
im Schnee, da saß ein armer Mann,
hat Kleider nicht, hat Lumpen an:
„O helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bittere Frost mein Tod".
Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin zieht die Zügel an,
sein Roß steht still beim armen Mann.
Sankt Martin mit dem Sehweite teilt,
den warmen Mantel unverweilt.
Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin gibt den halben still,
der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil,
hinweg mit seinem Mantelteil.
Laterne, Laterne
Am Himmel stehen Stern an Stern,
der Mond steigt hell empor,
da kommen wir mit der Latern
aus unserm Haus hervor.
Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne,
brenne auf, mein Licht, brenne auf, mein Licht,
aber nur meine liebe Laterne nicht,
Wir tragen in die Nacht hinaus
Laternen bunt und schön.
Dann löschen wir die Kerzen aus
und wolln nach Hause gehn.
Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne,
brenne auf, mein Licht, brenne auf, mein Licht,
aber nur meine liebe Laterne nicht.
Durch die Straßen auf und nieder
Durch die Straßen auf und nieder
leuchten die Laternenwieder:
Rote, gelbe, grüne, blaue,
Lieber Martin, komm und schaue!
Wie die Blumen in dem Garten
blühn Laternen aller Arten:
Rote, gelbe, grünr, blaue,
Lieber Martin, komm und schaue!
Und wir gehen lange Strecken
mit Laternen an den Stecken:
Rote, gelbe, grüne, blaue.
Lieber Martin, komm und schaue!
Ich geh' mit meiner Laterne
Ich geh mit meiner Laterne
und meine Laterne mit mir,
dort oben leuchten die Sterne
und unten leuchten wir:
Ein Lichtermeer zu Martins Ehr!
Rabimmel-rabammel-rabumm!
Ich geh.../:
Der Martinsmann, der zieht voran.
Rabimmel-rabammel-rabumm!
Ich geh.../:
Wie schön das klingt, wenn jeder singt!
Rabimmel-rabammel-rabumm!
Ich geh.../:
Mein Licht ist aus, ich geh nach Haus.
Rabimmel-rabammel-rabumm!
Kinder, Kinder wisst ihr's schon
Kinder, Kinder wisst ihr's schon:
Heut' ist Martinsabend!
Her der Lampen bunte Pracht,
tragt die Lichter durch die Nacht!
Heut' ist Martinsabend,
heut' ist Martinsabend.
Sei gegrüßt, du heil'ger Mann,
an dem Ehrenabend,
Streue mild die Gaben aus,
wie es Brauch im Elternhaus
heut’ am Martinsabend,
heut' am Martinsabend.
Und ein Lichtlein steigt empor
heut' am Martinsabend.
Zu den Sternen geht' s hinauf,
wo du weilst, du frommer Mann,
heut' am Martinsabend,
heut' am Martinsabend.
Lasst uns froh und munter sein
Lasst uns froh und munter sein
und uns heut von Herzen freun!
Lustig, lustig, trallerallala,
heut ist Martinsabend da,
heut ist Martinsabend da.
Nehmt den Kürbis in die Hand,
rasch das Kerzchen angebrannt!
Lustig, lustig...
Springen wolln wir kreuz und quer
übers liebe Kerzchen her.
Lustig, lustig...
Nach der Freude danken wir,
unserm lieben Gott dafür.
Lustig, lustig...