Das wirtschaftliche Strukturbild einer Stadt „lebt“, verändert sich, meist nahezu unmerklich, manchmal jedoch auch in dramatischen Schüben, so wie in Hilden vor nunmehr gut 20 Jahren. Bis Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre war Hilden eine weitgehend monostrukturell geprägte Industriestadt. Zwei Drittel der Wertschöpfung wurden im Produzierenden Gewerbe geschaffen, mehr als 85 % aller Industriebeschäftigen arbeiteten noch Ende der 70er Jahre in nur drei Branchen, nämlich der Metallverarbeitung, der chemischen Industrie und der Textilwirtschaft.
In wenigen Jahren haben die damals größten Hildener Arbeitgeber, die Firmen Mannesmann, Thyssen-Rheinstahl, Schlieper & Laag, Bremshey und Bauermann ihre Betriebe aufgegeben bzw. schließen müssen; bei ICI Farbe/Lacke setzte ein massiver Schrumpfungsprozess ein. 5.000 Arbeitsplätze wurden damals in Hilden abgebaut – und dies bei einem Gesamtbestand von etwa 22.000 Arbeitsplätzen; die Arbeitslosenquote schnellte auf eine zweistellige „Rekordmarke“ hoch.
In jener Situation beschloss der Rat der Stadt Hilden - in einer Sondersitzung Ende 1982 -, nicht eine eventuelle Hilfestellung des Landes abzuwarten, sondern selbst die Initiative zu ergreifen, mit dem seinerzeit größten Eigentümer stillgelegter Gewerbe- und Industrieflächen in Hilden überhaupt, der Firma Mannesmann, Verhandlungen über den Erwerb der Flächen durch die Stadt aufzunehmen und diese Flächen dann tatsächlich auch zu kaufen. Mit dem Erwerb dieser 300.000 qm Gewerbe- und Industriefläche waren die Grundlagen geschaffen für eine erfolgreiche Reorganisation der Hildener Wirtschaft. Das Gelände wurde geräumt, neu erschlossen und parzelliert und in kleinen „Einzelflächen“ an ortsansässige Firmen ebenso wie an ansiedlungswillige Unternehmen von außen verkauft. Heute sind auf der Fläche, auf der bis 1982 noch die Firma Mannesmann tätig war, rund 50 kleine und mittelständische Betriebe angesiedelt, die den unterschiedlichsten Branchen angehören, insgesamt aber mehr Arbeitsplätze bieten als Mannesmann früher in seinen „besten Jahren“.
Auch andere stillgelegte Gewerbe- und Industrieflächen, so z.B. der Firma Schlieper & Laag (Stückfärberei), wurden – nach dem gleichen Strickmuster - über die Stadt erworben, von Altlasten befreit, parzelliert und an neue Firmen veräußert. Gerade an dem Gelände der Firma „Schlieper & Laag“ an der Hof-/Neustraße wird der Strukturwandel in Hilden deutlich: Heute sind auf der Fläche der ehemaligen Stückfärberei das Hildener Finanzamt sowie die Hauptverwaltung der „Pro activ“-Gruppe (CiV-Versicherungen, Postbank-Versicherung) angesiedelt.
Mit dem Grundstücksfonds des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Stadt Hilden zusammengearbeitet, um das ehemalige Bremshey-Betriebsgelände einer neuen gewerblichen Nutzung zuführen zu können. Auf diesem Gelände ist es gelungen, mit der Firma Qiagen den Weltmarktführer in der Reinigung von Nukleinsäuren in Hilden anzusiedeln – dies allerdings schon zu einer Zeit, als die Firma bei weiten noch nicht die hohe Bedeutung für Hilden hatte wie heute.
Um die notwendigen Maßnahmen kurzfristig durchführen zu können, wurde eine Grundstücksgesellschaft gegründet, -die GkA Grundstücksgesellschaft Hilden mbH-, an der die Stadt Hilden und eine WestLB-Tochter beteiligt sind.